Dortmund: laut, dreckig, geschäftig … schön!


Frau Ertmer versetzt die SchülerInnen zunächst geschickt in die richtige Stimmung: „Stellt euch mal vor, man nähme euch auch nur einen Tag das Handy weg.“ … Noch murmelt die Stufe 9 vor sich hin, aber spätestens, als deutlich wird, wie dramatisch Cornelia Ertmers Werk „Wenn alle schweigen“ ist, ist es still im PZ.

Die Autorin steigt mitten in Kapitel 7 des Romans ein: Martha, ein junges Mädchen, ist vergewaltigt worden von Bernhard, der die Schuld von sich schiebt. Martha wird schwanger, bekommt Clara und muss sie weggeben.

1898 sitzt Martha an der Nähmaschine und leidet auch Jahre später an dem Verlust ihrer kleinen Tochter Clara. Geschickt flicht die Autorin hier die Metapher des Nähens ein: Unter den Augen des Aufsehers näht Martha Stunde um Stunde und denkt immer wieder an Clara. Es gehen ihr Sätze durch den Kopf wie „Du bist eine Waise! Von Vater und Mutter verlassen.” Sie bereut bitterlich, dass sie ihre Tochter weggeben musste. Der Gedanke versetzt ihr einen schmerzhaften Stich, ebenso wie die Nähnadel in ihren Händen.

Es ist 1907, Clara ist mittlerweile 10 Jahre alt. Sie denkt sich gerne Geschichten aus, um ihrem gewalttätigen Pflegeelternhaus in Gedanken zu entfliehen. Ob Clara aus dieser Situation gerettet wird und wer ein potenzieller Retter sein könnte, bleibt offen.

Ihr könnt euch dieses Buch 2023 in der Bibliothek ausleihen und falls ihr nicht warten könnt, wäre es ein schöner Last-Minute-Weihnachtswunsch.

Was am Ende bleibt:

Die Schülerinnen von heute sind privilegierte Frauen! Aber auch die Schüler sind bestens angesprochen durch den Roman. So stellte Oscar W. aus der 9f mehrere interessante Fragen, zum Beispiel, ob denn die verschiedenen Handlungsstränge am Ende zusammengeführt werden würden. Die Antwort: Ja, aber es gibt KEIN Happy End.

Michaela Görlich & Stephanie Stiebler