Beim diesjährigen Sommerfest wurde die Corona-Zeitkapsel des Abijahrgangs 2021 nach fünf Jahren und einigem schweißtreibenden Buddeln erfolgreich auf dem Schulhof geborgen.

Man stelle sich vor: Es ist das Jahr 2021. Die Welt befindet sich im kollektiven Video-Meeting, Jogginghosen sind das offizielle Kleidungsstück des Abiturjahrgangs, zumindest ließ der Bildausschnitt es erahnen, und die damalige Schulleiterin Frau Levin hat eine visionäre Idee. Um der Pandemie-Tristesse zu trotzen, wurde eine Zeitkapsel vergraben – vollgepackt mit Zitaten, Masken-Anekdoten und Erinnerungsstücken. Fünf Jahre später, auf unserem diesjährigen Sommerfest, schlug nun die Stunde der Wahrheit.
Der Plan: Ausgraben, öffnen, in Erinnerungen schwelgen. Doch Marcel Proust wusste schon damals: Die Suche nach der verlorenen Zeit ist kein Spaziergang. Bei uns war sie vor allem eine sportliche Herausforderung. Denn wie sich herausstellte, hatten wir die Rechnung ohne die Natur gemacht. Wo 2021 noch frische Erde war, präsentierte sich das Schulbeet 2026 als bockiges Terrain. Bewaffnet mit Schaufeln und gesundem Halbwissen verwandelte sich das Sommerfest kurzerhand in eine archäologische Ausgrabungsstätte. Wir hätten doch ein Kreuz hinlegen sollen. Nach einigem Suchen, diversen Fehlschlägen und dem dringenden Verdacht, die Kapsel könnte heimlich schon ausgegraben worden sein, stieß der Spaten endlich auf Metall. Ein lautes Jubeln ging durch die Menge – der Schatz der Generation Corona war geborgen!
Als die Kapsel schließlich im Kreis der Ehemaligen und Gäste geöffnet wurde, wehte uns ein Hauch von echter Nostalgie (und ein ganz klein bisschen Kellergeruch) entgegen. Die Briefe und Zitate von damals wurden laut vorgelesen, und plötzlich war es wieder da: das Gefühl von Homeschooling, WLAN-Ausfällen in der wichtigsten Phase der Stunde und der absurde Stolz über die erste McDonald’s Besuche. Manches Zitat von 2021 las sich aus heutiger Sicht fast wie aus einer anderen Epoche.
Der Geschmack von Prousts berühmter Madeleine war für uns an diesem Abend das Knistern von altem Papier und das Lachen über die absurden Momente einer historischen Schulzeit. Es war faszinierend zu sehen, wie viel sich in nur fünf Jahren verändert hat. Aus den pandemiegeplagten Abiturientinnen und Abiturienten von einst sind längst Studierende, Azubis und Berufstätige geworden, die fest im Leben stehen. Die Kapsel hat uns gezeigt: Die Zeit vergeht verdammt schnell, aber die gemeinsamen Erinnerungen an diese ganz besondere Schulzeit sitzen tief.
Ein riesiges Dankeschön geht an alle, die damals mitgemacht und heute so fleißig mitgebuddelt haben! Die Zeitkapsel hat ihren Zweck erfüllt und uns allen ein wunderbares Sommerfest-Highlight beschert.” Man kann die Weisheit nicht fertig übernehmen, man muss sie selbst entdecken auf einem Weg, den keiner für uns gehen kann”. Na dann, Pro(u)st!



